Radikales Outsourcing
Vorerst herrscht aber noch Begriffsverwirrung. Softwarehersteller, Service- und Netzwerkanbieter definieren Cloud Computing je nach Interessenlage. Das Marktforschungsunternehmen Forrester hat darum auf Basis einer Branchenumfrage versucht, einen Standard festzulegen. Demnach ist Cloud Computing ein „Pool aus abstrahierter, hochskalierbarer und verwalteter IT-Infrastruktur , die Kundenanwendungen vorhält und die nach Verbrauch abgerechnet wird“. Das klingt verdächtig nach früheren Boom-Themen wie ASP oder Software as a Service. Tatsächlich finden sich viele Elemente wieder. Doch Cloud Computing geht noch darüber hinaus. Das Geschäfts- und IT-Modell mehr als nur webbasierte Software-Miete, sondern ein umfassendes Applikations-Outsourcing.
Browser übertrumpft Betriebssystem
In letzter Konsequenz verdrängt Cloud Computing sogar das herkömmliche Betriebssystem. IT-Experten erwarten, dass sich stattdessen der Webbrowser zum wichtigsten Software-Element entwickelt. Er werde „zum Client sowie zum zentralen Programm, das Anwender bei der Arbeit am Computer benutzen“, zitiert der Fachdienst Silicon.de den Chief Technology Officer des Computerherstellers Fujitsu Siemens Joseph Reger. Browser wie Google Chrome und Opera verfügen bereits Fähigkeiten, die eigentlich nur von Betriebssystemen bekannt sind, etwa über ein Speichermanagement. In fortgeschrittenen Entwicklunsstadien könnten sie Vista & Co mehr und mehr ersetzen. Der Vorteil für den Kunden liegt auf der Hand: Wer das handelsübliche Software-Paket und den üppig dimensionierten Server gegen ein intelligentes Outsourcing-Modell im Netz ersetzt, gewinnt Flexibilität und spart Geld.
Weniger Kosten für KMUs
Darum ist Cloud Computing vor allem für kleinere und mittlere Unternehmen so interessant. IT-Experten wie die Marktforscher der Technik-Beratung Gartner glauben daher, dass sich das System in KMUs besonders schnell durchsetzen wird. „Reine Kostenvorteile werden in erster Linie bei Mittelständlern wirksam, da hier die Kosten des Betriebs pro Kopf meist höher ausfallen als in Konzernen“, sagt auch Karsten Leclerque von der Beratungsfirma PAC in einem Gespräch mit der „Computerzeitung“. Firmenchefs und IT-Verantwortliche sollten sich darum frühzeitig mit dem Thema Cloud Computing auseinandersetzen. Ein möglicher Einstieg ist die Verlagerung der E-Mail-Infrastruktur ins Web. Privatanwender kennen das Prinzip längst: Sie kommunzieren über Online-Hoster wie GMX, Google oder Yahoo und nutzen damit eine Urform von Cloud Computing, ohne es zu wissen. Ein derartiges Kommunikationsmodell wird nach Einschätzung vieler Experten auch in Unternehmen schon in wenigen Jahren zum Alltag gehören.
(Foto auf Startseite und Artikel: Darjeelingtea / Quelle: Photocase)