Neben den unmittelbaren Eingriffsmöglichkeiten kann IT natürlich auch indirekt zum Energiesparen eingesetzt werden. Zum Beispiel durch den verstärkte Nutzung von Web-Conferencing-Systemen, die teure und energieaufwendige Dienstreisen per Auto oder Flugzeug überflüssig machen können. Hier spielt die IT wieder ihre Stärke als klassischer Prozessoptimierer aus.
Energiehunger wird stärker
Wieviel Energie und Geld bei der Kommunikations- und Informationstechnologie durch den Schornstein rauscht, verdeutlichen einige Zahlen aus den USA und aus Deutschland. Laut Unternehmensberatung A.T. Kearney ist die IT weltweit für jährlich 600 Millionen Tonnen CO2-Ausstoß verantwortlich. Zur Kompensation wären 60 Milliarden Bäume erforderlich. Der jährliche CO2-Ausstoß entspricht in etwa dem Niveau von 320 Millionen Kleinwagen. Wichtigster Treiber für den rapiden Anstieg des weltweiten Stromverbrauchs von Rechenzentren ist laut A.T. Kearney vor allem die global rasant steigende Nutzung internetbasierter Dienste mit jährlichen Wachstumsraten von 34 Prozent, beispielsweise für den Warenhandel und -verkauf sowie für die Kommunikation und Informationsgewinnung. Hinzu kommen die Zunahme der IT-unterstützten Zusammenarbeit von weltweit verteilten Expertenteams und die Steuerung globaler Unternehmensnetzwerke auf Basis von Internettechnologien. Das führt zu einen immer höheren Stromverbrauch für Hardwarebetrieb und -kühlung.
Drei Kohlekraftwerke für die deutsche IT
Experten des Bundesumweltministeriums gehen davon aus, dass der Stromverbrauch der derzeit rund 50.000 deutschen Rechenzentren 2006 bei 8,67 TWh lag. Dies entspricht der Jahresstromproduktion von drei mittelgroßen Kohlekraftwerken. Das Ministerium befürchtet bis 2010 einen Anstieg um 50 Prozent – sofern keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden.
Hier setzt das Konzept der „Green IT“ an. Denn umweltfreundliche und energiesparende Kommunikations- und Informationstechnologie ist alles andere als ideologisch getriebene Wirtschaftspolitik. Green IT – übrigens eines der wichtigsten Themen auf der CeBIT 2008 – bedeutet für die betriebliche Praxis handfeste Kosten- und Wettbewerbsvorteile. Das haben mittlerweile auch zahlreiche kleinere und mittlere Unternehmen erkannt. Nach einer KMU-Studie im Auftrag des Softwarekonzerns Microsoft schätzen 77 Prozent von rund 400 befragten Mittelständlern ihr Kostenbewusstsein als „hoch bis sehr hoch“ ein. Zwei Drittel der KMUs sind in puncto Energiesparen auch schon aktiv geworden. Idealistische Motive verfolgen die Firmenchefs damit weniger. Acht von zehn Mittelständler setzen Green IT ein, um Kosten zu sparen. Der Umweltschutzgedanke steht nur für 13 Prozent an erster Stelle.
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